Studien-/Lehrprojekte

 

Aus dem Faltblatt, des von R.W.Ernst für die KHB konzipierten und akkreditierten postgradualen Studiengangs Raumstrategien. R.W.Ernst leitete das Anfangsjahr. Auf die laufende Entwicklung des Studiengangs hat er keinen Einfluß mehr.
Die Kunsthochschule Berlin-Weißensee startete zum Sommersemester 2007 den postgradualen Masterstudiengang Raumstrategien. Das zweijährige, kostenpflichtige Studium wendet sich an Absolventen unterschiedlicher Hochschulen. Grenzgänger und Querdenker, die ihre bisherige Erfahrung im künstlerischen Schaffen vertiefen wollen, und endet mit dem Abschluss Laster cf Arts. Es soll die Möglichkeit eröffnet werden. Themen zu bearbeiten, die individuelle künstlerische Positionen, aktuelle wissenschaftliche Problemstellungen und gegenwärtige gesellschaftliche Prozesse gleichermaßen berücksichtigen. Die Entwicklung kreativer und kooperativer Fähigkeiten, die der kulturellen Bedeutung des öffentlichen Handelns gerecht werden, ist Kernpunkt der Ausbildung.

Die wachsende Bedeutung von disziplinenübergreifender Forschung, die in den letzten Jahrzehnten durch grenzüberschreitende Projekte geprägt worden ist. weist darauf hin. dass zukünftige Entwicklungen in allen Bereichen auch des kulturellen Lebens insbesondere durch die Erhöhung von Komplexität und die Ausleuchtung von Handlungsfeldern zwischen den klassischen Disziplinen zu finden sind.
So ist die Herstellung von Medienöffentlichkeit für räumlich relevante Themen zwischen Kunst und Wissenschaft Inhalt des Studiums. Der Studiengang Raumstrategien ist mit anderen Studiengängen der Kunsthochschule Berlin-Weißensee verzahnt. Ebenso können die Studierenden die für alle Fachrichtungen offenen elf Werkstätten der Kunsthochschule nutzen: Sie bieten einen weiteren Ort des Austausches zwischen den verschiedenen Disziplinen, eine gute Grundlage für interdisziplinäre Arbeiten.

Die Ausbildung erfolgt in kleinen, intensiv betreuten Gruppen, die in Teamwork am inhaltlich bestimmten Projekt Zusammenarbeiten. Im Mittelpunkt des Studiums steht das Arbeiten in Projekten, durch die Kenntnisse über drei verschiedene Handlungsfelder mit raumstrategischer Bedeutung erschlossen werden: Visualisierung räumlicher Zusammenhänge. Transformation des vorhandenen Raums und Konstruktion des nicht sichtbaren Raums. Im ersten werden räumliche Beziehungsgeflechte analysiert, an welchen sich die Auswirkungen der globalen Entwicklungsdynamik verstehen lassen. Schwer überschaubare materielle und informationelle Prozesse sollen sichtbar gemacht werden: Internationale Arbeitsteilung. Globalisierung von Kapital. Macht. Rohstoffen. Technologie und Konsumgütern, die Zerstörung von natürlichen Ressourcen sowie die gesetzlichen und ökonomischen Regeln, die zur Steuerung dieser Prozesse eingesetzt werden.

Im ersten Semester konzentrieren wir uns auf die Prozesse der Baumwollproduktion sowie der Herstellung und des Recycelns von T-Shirts im globalen Zusammenhang.Zweites Handlungsfeld ist die Umdeutung und Transformation von nicht- oder ungenutzten Räumen durch Aneignung und Umnutzung. Der Leerstand von Wohnungen. Büros und sozialen Einrichtungen sowie die Vielzahl unbebauter Grundstücke in erschlossenen Gebieten ist in Berlin ein charakteristisches Merkmal. Hierin ein Potential für die Zukunft und nicht nur ein Problem zu sehen, ist eine der Herausforderungen für die räumliche Entwicklung jeder Stadt. Wir werden uns hierfür vor allem mit ungewöhnlichen Räumen wie der leer stehenden Lokomotivenhalle im Hatur-Park des Schöneberger Südgelände beschäftigen. Räume, die künstlerische Imagination für die Zukunft benötigen. Räumliche Konstruktion von unsichtbaren Welten betrifft die Gegenstände und Prozesse aktueller naturwissenschaftlicher Forschung im Molekularbereich. Es sind Forschungen, die auf die Konstruktion räumlicher Modelle angewiesen sind, für die es einer gestalterischen und kommunikativen Kompetenz bedarf. Hier werden wir uns zunächst mit Lernprozessen der menschlichen Zelle auseinandersetzen. Alle Themen werden an realen Aufgaben in Kooperation mit externen Institutionen und den entsprechenden Wissenschaftlern durchgeführt. Die Projektarbeit soll zu Ergebnissen unterschiedlichen Formates führen: Von Projektanträgen bis zu Ausstellungsbeiträgen, öffentlichen Aktionen oder Veröffentlichungsformen auch in Verwendung digitaler Medien.

Für die Absolventen des Studiengangs Raumstrategien sollen sich damit neue Arbeitsfelder erschließen, die eine besondere Raum- Kooperationskompetenz erfordern.

 

Universität Dortmund Abteilung Raumplanung 1969/70

Studenten beraten erfolgreich im Rahmen eines Studienprojektes die Bewohner einer vom Abriss bedrohten Arbeitersiedlung

Neu in dieser Zeit war das Studieren in Projekten. In dem damals neuen interdisziplinären Studiengang Raumplanung wurden Probleme aus der Realität als Studienaufgabe ausgewählt, die nicht akademisch bearbeitet wurden, sondern im realen Kontext. Es war  gefordert mit all dem damit verbundenen Risiko, dass Studierende und die betreuenden Lehrenden konkret Verantwortung übernehmen, sich politisch einmischen und als Gruppe zusammen mit den Bewohnern agieren mit dem Ziel, eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Einwohnern, die bislang in der kommunalen Planung nicht berücksichtigt wurden, zu erreichen.

Das Projekt endete nachhaltig erfolgreich: Die damals verfilzte sozialdemokratische Führungsclique (Bürgermeister, Stadtverwaltung, Betriebsrat, Wohnungsbaugesellschaft, etc.) wurde überrumpelt, die Siedlung steht noch heute und befindet sich in der Zwischenzeit im Eigentum der Bewohner (s. aktuelles Luftfoto).

An den exemplarischen Blättern des fast hundertseitigen Projektberichtes ist die damalige Form der ‚political correctness’, der damals neuen Arbeitsweise im Projekt, ablesbar:

Bildfeindlich, keine Zeichnungen oder Fotos, die einzige Abbildung besteht aus einem spröden, simplen Diagramm und dann der Gruppenzwang. Jede individuelle Profilierung mit dem Verdacht, diese auf Kosten der Bewohner oder der Gruppe zu erreichen, wurde scharf geahndet. Dies bedeutete unter anderem, dass individuelle Wahrnehmung an den Rand gedrängt wurde und damit jegliche bildhafte Wiedergabe der Ereignisse, der Akteure und des Ortes im Projektbericht nichts zu suchen hatten. Nichts ist zu zeigen und auszustellen, nur das reale Ergebnis zählt.

Rainer W. Ernst

Weitere Informationen:

Projektbericht der Studierenden, P4 Bibliothek der Uni Dortmund;

Rainer Ernst, Sebastian Müller und Viktoria Waltz, “Projektstudium für die Raumplanung -Ziele, Probleme, Erfahrungen“ in Dortmunder Beiträge zur Raumplanung, Band 9, „Raumplanung und Planerausbildung“, Dortmund 1978 Brunn/Pannitschka (Hrsg.)


Hochschule der Künste Berlin

Bazar Teheran
Studienprojekt im 1977/78 mit einer dreiwöchigen Feldforschung im Bazar Teheran im Mai 1978, geleitet von Omar Akbar und Rainer W. Ernst und der Tutorin Christine v. Strempel
Auf der Grundlage einer historischen Analyse der Bazarkultur und der Entwicklung der Stadt Teheran wurde der Frage nachgegangen welche räumlich-kulturellen Bedingungen der Bazar Teheran damals für Produktion, Handel und Kultur aufwies und worin die möglichen wichtigen Unterschiede zu Bedingungen für gleiche Funktionen in Berlin (damals West) zu beobachten sind und welche Verbesserung der Bedingungen im Bazar sinnvoll wären ohne die spezifische Lebens- und Arbeitsweise in Frage zu stellen. Dies fand statt auf dem Hintergrund des damals schon virulenten Konflikts zwischen der westlich orientierten Politik des Shas und den traditionell orientierten Bereichen wie der Bazar. An Hand von vier Funktionsbereichen wurde in der Feldstudie diesen Fragen nachgegangen. Die vier Bereiche waren: Die Schuhproduktion, die Strumpfproduktion, das Transportsystem und die kulturellen Einrichtungen.

Beachtenswert für unsere Erkenntnisse war die Feststellung, dass die produzierten Waren mit hoher Konkurrenzfähigkeit gegenüber den modernen westlichen Industrien am Stadtrand von Teheran in die ganze Welt bis nach Moskau, New York und Düsseldorf geliefert wurden, dass die modernsten Maschinen genutzt wurden und auch selbst organisiert repariert werden konnten gleichzeitig aber auch rückständig erscheinender Handarbeit zu beobachten war und, dass jedoch die kooperativen Bedingungen und die Verteilung der Erlöse in einer Form religiöser Stiftungen organisiert waren, die in der europäischen Entwicklungsgeschichte nicht vorkamen. Dies war ein wichtiger Beitrag zur Erkenntnis, dass die linearen Entwicklungstheorien nach Marx und den wirtschaftsliberalen Vertretern nicht als Grundlage für eine internationale Zusammenarbeit taugten, diese Theorien mit der ihnen innewohnenden Ignoranz kultureller Differenzen eher eine Legitimation für friedensgefährdende Massnahmen sind.

Hochschule der Künste Berlin

Mindelo – Kapverdische Inseln

Auf Einladung des damaligen Planungsministers der Kapverdischen Republik Jose Brito fand eine 6-wöchige Exkursion der HdK unter Leitung von Rainer W. Ernst statt. Unterstützt wurde er durch den damaligen Exil-Brasilianer und Rechtsanwalt Dr. Alcidino Bittencourt Pereira und den Kollegen Ludwig Leo.
In diesem Praxisprojekt war der Frage nachzugehen ob das damals vorliegende Konzept für ein Stadtplanungsgesetz der Realität und den aktuellen Prozessen entsprach. Untersucht wurde diese Frage vor allem am Beispiel von Mindelo, der historisch wichtigsten Hafenstadt. Auf der Basis dieser Arbeit konnten dann Rainer W. Ernst und Dr. Alcidino Bittencourt Pereira ein Gutachte über den Gesetzesentwurf der kapverdischen Regierung zur Verfügung stellen.

Die Exkursion und die Arbeit wurden im Auftrag der GTZ und auf der Basis eines Abkommens zwischen der kapverdischen Regierung und der FU/HdK und TU Berlin 1979 durchgeführt.


An verschiedenen Beispielen wurden die Nachurbanisierungsprozesse für
Die Plattenbausiedlung Berlin-Marzahn untersucht. In der Ausstellung der verschiedenen
Arbeiten wurde der Raum mit dem Grundriss der Gesamtsiedung belegt, man ging auf dem Grundriss der Siedlung, die Modelle schwebten darüber, Erläuterung und Details an der Wand.

Kunsthochschule Berlin Weissensee
Entwicklungskonzepte Marzahn


R.W.Ernst 8.11.06
Projektbericht
Prolog „Urban Stories – Poetische Momente“ des Projektes „Airport International“ Vom 18.6.-Z6.6.06 in Görlitz
Veranstalter: Kunsthochschule Berlin Weißensee
Künstlerische Leitung: Prof.R.W.Ernst und Woltgang Krause
Beteiligte: 10 Studierende der KHBund 4
Studierende der FH Zittau/Görlitz
(Studiengang Kulturmanagement)
Kooperanten:
Stadt Görlitz G:TM
Galerie Entschleunigung – Sebastian Wenger
Fachhochschule Zittau/Görlitz. Studiengang Kultur und Management Architekturbüro Kück Geschäftsstelle Kulturstadt Görlitz
Ablaut Bis 17.6.
Vorbereitung in Berlin und Görlitz. Ankündigung. Konzepte.
Herrichtung des Vorortbüros 1S.6. Anreise.
18.-ZZ.6 Vorbereitung der poetischen Momente in Görlitz
Z3.-Z5.6. Präsentation im Straßenraum: fotografische Arbeiten Z6.6. Abreise
Die Woche in Görlitz wurde durch eine Vielzahl von Gesprächen vor dem Vorortbüro und täglichen Zeitungsartikel begleitet.
Danach
Auswertung in Berlin
Auswahl der Motive für Postkartenserie
Graphische Konzeption
Druck
Verteilung der Karten erfolgte zu gleichen Teilen an die Stadt Görlitz und die KHB Präsentation der Karten in Görlitz ist noch nicht erfolgt.
Fotos und Gestaltung der Postkarten: Jakob Gleisberg